Deutschland hatte im Laufe seiner Geschichte zahlreiche Währungen. Keine ist allerdings so ikonisch wie die Deutsche Mark, kurz D-Mark. Die D-Mark wird heute noch mit Stabilität und Wirtschaftswachstum assoziiert. In diesem Beitrag blicken wir auf die bewegte Geschichte der Deutschen Mark zurück. Eine Währung auf welche heute noch viele Deutsche mit etwas Wehmut zurückblicken.

Die Vorläufer der Deutschen Mark

1871 wurde im neu gegründeten Deutschen Kaiserreich eine einheitliche Währung eingeführt, welche schlicht als Mark bezeichnet wurde. Zuvor hatten alle deutschen Einzelstaaten mit eigenen Währungen wie Gulden oder Taler bezahlt. Eine Mark bestand aus zehn Groschen, welche sich wiederum aus zehn Pfennigen zusammensetzten. Hundert Pfennige waren demzufolge eine Mark. Dieses dezimale System bildete fortan die Grundlage für die deutsche Währung und wurde später auch für die D-Mark übernommen. Abgelöst wurde die Mark des Kaiserreichs, welche durch eine Hyperinflation nach dem Ersten Weltkrieg entwertet wurde, im Jahre 1924 durch die Reichsmark. Die Reichsmark blieb gesetzliches Zahlungsmittel bis 1948. Nach dem Zweiten Weltkrieg war allerdings auch der Wert der Reichsmark erodiert. Zur Finanzierung des Krieges hatte das NS-Regime die Geldmenge kontinuierlich erhöht. Nach dem Kriegsende gab es zwar riesige Mengen an Geld, das Angebot an Gütern war jedoch bescheiden und die Wirtschaft darbte und lag am Boden. Die Reichsmark war kaum noch von Wert und es entstand ein Tauschhandel mit Dingen des täglichen Bedarfs, als Quasi-Ersatzwährung hatten sich Zigaretten etabliert. Die Einführung einer neuen, stabilen Währung war notwendig und eine weitere Währungsreform unumgänglich.

Einführung der D-Mark

Die Amerikaner erwiesen sich bei der Einführung der D-Mark als treibende Kraft. Sie wollten Deutschland schnellstmöglich wieder zu einer funktionierenden Wirtschaft verhelfen und dabei ihr Modell der freien Marktwirtschaft etablieren. Die ersten D-Mark-Banknoten wurden daher in den USA entworfen. Das erkennt man bei genauem Hinsehen auch an den Motiven. Diesen ähneln dem Erscheinungsbild US-amerikanischer Dollarnoten und weisen Anleihen aus der antiken Mythologie auf. Lediglich die Pfennigmünze basiert auf einem Entwurf des deutschen Bildhauers Adolf Jäger und hatte von Anfang an ihr charakteristisches Erscheinungsbild. Gedruckt wurden die Noten ebenfalls in den Vereinigten Staaten und im Frühjahr 1948 nach Deutschland verschifft. Es handelte sich grösstenteils um Papiergeld, selbst die halbe Mark wurde als Note ausgegeben. Die Planung rund um die D-Mark-Einführung geschah weitgehend ohne Beteiligung der Deutschen. Erst im Frühjahr 1948, als das Geld schon druckfrisch bereitstand, wurden Deutsche Bankvertreter und Wirtschaftswissenschaftler involviert um die Modalitäten der Währungseinführung abzusprechen. Eine öffentliche Bekanntmachung erfolgte am 18. Juni 1948. Zwei Tage später wurde mit der Geldausgabe begonnen und schon am 21. Juni 1948 wurde die D-Mark zum alleinigen gesetzlichen Zahlungsmittel in den drei westlichen Besatzungszonen erklärt. Pro Kopf wurde einmalig eine Summe von 40 Reichsmark 1:1 in D-Mark umgetauscht. Im September 1948 konnten dann nochmals pro Kopf 20 Reichsmark 1:1 in D-Mark umgetauscht werden. Ansonsten war der Wechselkurs jedoch relativ schlecht, man bekam für 10 Reichsmark lediglich eine D-Mark. Zudem wurde bei Sparguthaben die Hälfte zunächst bis Oktober 1948 eingefroren, davon ausserdem sieben Zehntel gestrichen, ein Zehntel als Sparsumme festgelegt und nur zwei Zehntel konnten direkt ausgegeben werden. Der tatsächliche Wechselkurs lag somit praktisch bei 1000:65. Dadurch wurden Sparguthaben in grossem Umfang entwertet, weshalb die D-Mark anfangs kritisch gesehen wurde. Löhne, Mieten, Renten usw. wurden allerdings von der Reichsmark 1:1 übernommen. Zum Segen der Verbraucher bedeutete die Währungsreform auch ein Ende des Schwarzmarkes. Umgehend nach Einführung der D-Mark öffneten die Geschäfte wieder und das Warenangebot erhöhte sich spürbar. Daher wurde die Währungsreform trotz der Einbussen bei den Spareinlagen mit Erleichterung aufgenommen.

Die D-Mark etabliert sich trotz eines schwierigen Starts

Der Jahreswechsel 1948/49 war zunächst mit einem dramatischen Anstieg der Lebenshaltungskosten verbunden. Hier machten sich weiterhin die Kriegsfolgen spürbar, denn die Produktion konnte mit der plötzlich gesteigerten Nachfrage infolge der D-Mark-Einführung nicht Schritt halten. In der öffentlichen Wahrnehmung hatte die D-Mark in den ersten Monaten daher einen verhaltenen Start. Diese Situation entspannte sich mit dem rasanten Wirtschaftsaufschwung ab dem Jahr 1949 und die Deutsche Mark gewann zunehmend an Ansehen.

Gravierender waren die politischen Folgen der D-Mark-Einführung. Da die Währungsreform auch in West-Berlin durchgeführt wurde, rief dies die Sowjets auf den Plan. Sie fühlten sich provoziert und befürchteten einen Eingriff in ihren Herrschaftsbereich, denn bisher hatte man in ganz Berlin mit der Ersatzwährung der sowjetischen Besatzungszone bezahlt. Stalin antwortete daher mit der Berlin-Blockade. Bereits einen Tag nach der Währungsreform begannen die Sowjets Massnahmen zu treffen, um West-Berlin abzuriegeln. Sämtliche Transporte wurden eingestellt. Die Berlin-Blockade war eine erste Zuspitzung des sich bereits abzeichnenden Kalten Krieges. Es gelang den Amerikanern durch den Einsatz von Flugzeugen die Versorgung der Stadt aufrecht zu erhalten. Die Blockade wurde durch diese Luftbrücke gewaltfrei überwunden und die D-Mark blieb Währung in West-Berlin.

Deutsche Mark Banknoten
D-Mark Banknoten

Entwicklung zur erfolgreichen Währung

Trotz dieser Startschwierigkeiten erwies sich die D-Mark schnell als Erfolgskonzept. Dies hängt vor allem mit dem Wirtschaftswunder zusammen, welches die Bundesrepublik in den 50er Jahren erfasste. Durch amerikanische Kredite und die erfolgreiche Wirtschaftspolitik des Wirtschaftsministers Ludwig Erhard wurden die Kriegsschäden schnell überwunden und der Wohlstand der breiten Bevölkerung erreichte zuvor unbekannte Ausmasse. Die Arbeitslosigkeit sank auf ein Minimum. Die Bundesrepublik wurde von einem starken Konjukturaufschung erfasst. Die Wirtschaft florierte und der Lebensstandard der Mittel- und Arbeiterklasse verbesserte sich deutlich.

Fortan galt die D-Mark als Symbol dieser goldenen Jahre. Nach zwei schmerzhaften Währungsreformen, waren sich die Deutschen die Konsequenzen einer ausufernden Teuerung bewusst und bedacht eine harte Währung zu etablieren. So wurde die D-Mark neben dem Schweizer Franken zu einer die stabilsten Währungen überhaupt. Im Vergleich zu den meisten anderen Währungen der Welt verlor sie über die Dauer ihrer Existenz nur wenig an Kaufkraft. Während man in den 50er Jahren für einen US-Dollar 4.20 D-Mark aufwerfen musste, sank der Wechselkurs in den 90er Jahre zeitweilig auf unter 1.50. Der Wert der D-Mark gegenüber dem Dollar hatte sich fast verdreifacht. Als Devise war die D-Mark vor allem in den europäischen Nachbarländern begehrt, auf dem Balkan entwickelte sie sich zeitweise sogar zu einer Parallelwährung.

Die Stabile Währungspolitik, welche die D-Mark in den 50er und 60er Jahren auferlegt wurde, trug dazu bei, dass die Inflationskrise in den 70er Jahren in Deutschlang vergleichsweise gering ausfiel.

Ab den 50er Jahren wurden neue Münzen eingeführt, welche in ihrem Aussehen mehr den deutschen Gewohnheiten entsprachen. Auch die Banknoten wurden nun wieder in Deutschland gedruckt. Typische Stilelemente der Münzen waren der Adler und das Eichenlaub. Beliebt unter Sammlern ist heute vor allem der „Silberadler“, das grosse und wertige Fünfmarkstück. Seit Mitte der 70er Jahre wurde dieser allerdings nicht mehr aus Silber, sondern aus dem günstigeren Magnimat hergestellt. Hohe Symbolkraft besass des 50-Pfenning-Stück. Es zeigte eine Frau beim Pflanzen eines Eichenbäumchens, gleichsam ein Verweis auf den politischen Neuanfang Deutschlands nach 1945.

Einen Kultstatus erlangten die Zweimarkstücke, welche auf der Kopfseite die Portraits unterschiedlicher deutscher Politiker zeigten, darunter Adenauer, Heuss und Erhard. Das waren auch die prägenden Persönlichkeiten aus der Zeit des Wirtschaftswunders gewesen. Nicht zuletzt deshalb besitzen die Münzen für viele Deutsche einen sentimentalen Wert, da jede von ihnen gleichzeitig ein Symbol darstellt für die erfolgreiche wirtschaftliche Wiederauferstehung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Geradezu ein Synonym für die D-Mark war zudem der blaue Hundertmarkschein. An der Gesamtmenge aller im Verkehr befindlichen Noten hatte er mit fast 40 % den grössten Anteil. Seine charakteristische Farbe verlieh ihm einen hohen Wiedererkennungswert.

Diese hatte übrigens eine lange Tradition, denn seit dem Aufkommen der ersten Geldscheine Mitte der 1870er Jahre war der Hunderter in Deutschland stets blau gewesen.

D-Mark in der DDR

In der DDR war die D-Mark nicht das offizielle Zahlungsmittel. Dort gab es seit dem Sommer 1948 ebenfalls eine neue Währung, welche die Reichsmark auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone ablöste und zunächst von der Deutschen Zentralbank der sowjetischen Besatzungszone herausgegeben wurde. Später wurde die Währung schlicht als Mark der DDR bezeichnet. Es handelte sich hierbei jedoch um eine reine Binnenwährung, die im internationalen Zahlungsverkehr nicht verwendet werden konnte. Zudem war ihr Wert vergleichsweise gering, ihr Kurs wurde in der Praxis gegenüber der D-Mark im Mittel mit 5:1 berechnet, d.h. für eine D-Mark bekam man rund 5 DDR-Mark. Der offizielle Wechselkurs war allerdings 1:1. Während der geringere Wert der DDR-Mark bei den ohnehin in der DDR stark subventionierten Lebensmitteln kaum ins Gewicht fiel, war er bei Konsumgütern sehr deutlich spürbar. Da moderne Konsumgüter wie Fernseher, Radios, Kassettenspieler und Haushaltsgeräte in der DDR Mangelware waren und hochwertige Geräte eher aus dem Westen bezogen werden mussten, avancierte die D-Mark in der DDR zu einer begehrten Alternativwährung. In sogenannten Intershops konnten sich die DDR-Bürger mit Hilfe von D-Mark, umgangssprachlich Westgeld genannt, westliche Produkte kaufen. Der Besitz von D-Mark galt in der DDR als Statussymbol, wurde allerdings vom Regime kritisch beäugt. Dieses war zur Lösung der wirtschaftlichen Probleme des Landes selbst darauf bedacht, grössere D-Mark-Reserven anzusammeln um diese im Aussenhandel einzusetzen. Daher musste jeder Einreisende in der DDR einen Betrag 1:1 in DDR-Mark umtauschen. Aufgrund der Popularität der D-Mark in der DDR ist es nicht verwunderlich, dass bereits kurz nach dem Mauerfall der Wunsch in der DDR-Bevölkerung ausgesprochen wurde, auch auf ihrem Staatsgebiet die D-Mark einzuführen. Aufgrund dieses öffentlichen Drucks wurde bereits zum 1. Juli 1990, also noch vor dem offiziellen Beitritt der DDR zur Bundesrepublik, auch dort die D-Mark eingeführt. Der Wechsel erfolgte für eine begrenzte Summe von einigen Tausend DDR-Mark 1:1, für grössere Sparguthaben 1:2, pro zwei DDR- Mark erhielt man eine D-Mark. Der für DDR Bürger attraktive Wechselkurs wurde vorwiegend aus politischen Gründen so angesetzt. Viele Wirtschaftswissenschaftler hielten der Kurs für falsch. Infolge dieser künstlichen Aufwertung waren viele DDR-Produkte, welche vor allem im Export aufgrund ihres günstigen Preises beliebt gewesen waren, plötzlich nicht mehr konkurrenzfähig. Die vorschnelle Einführung der D-Mark hat daher auch zum wirtschaftlichen Niedergang der DDR beigetragen. Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass es gerade die D-Mark und die von ihr ausgehende wirtschaftliche Anziehungskraft war, welche in der DDR den Wunsch nach einem Ende der deutschen Teilung besonders stark beflügelt hat.

Das Ende der D-Mark

Während in der DDR die D-Mark eingeführt wurde, gab es in der Politik schon ganz andere Pläne. Seit Ende der 80er Jahre wurde von den Staaten der Europäischen Gemeinschaft mit dem Gedanken der Einführung einer gemeinsamen Währung gespielt. Der Entschluss hierzu fiel im Jahr 1988. Am 1. Juli 1990, an dem Tag, an welchem in der DDR die D-Mark eingeführt wurde, beschloss die EG den freien Devisenverkehr in ihren Mitgliedsstaaten. Dies war eine Vorbedingung für die Einführung der Gemeinschaftswährung. Es dauerte noch weitere 10 Jahre, ehe auch das Ende der D-Mark besiegelt war. Ab dem 1. Januar 1999 war der Euro gesetzliche Buchungswährung. Zum 1. Januar 2002 wurde die D-Mark dann auch im Barverkehr durch den Euro abgelöst. Der Wechselkurs lag bei 1:2, ein Euro entsprach zwei D-Mark. Der Zahlenwert von Preisen, Löhnen und Sparguthaben wurde dementsprechend halbiert. Bis Ende Februar 2002 konnte noch mit D-Mark in bar bezahlt werden, dann Endete die Geschichte der D-Mark. Allerdings ist die D-Mark nicht wertlos. Bei der Bundesbank können bis heute Restbestände in Euro umgetauscht werden, zum damaligen Wechselkurs. Bis heute lagern noch immer D-Mark-Bestände von schätzungsweise mehreren Milliarden in privaten Schränken, Schubladen und Spardosen.

Die kollektive Erinnerung an die D-Mark

Die D-Mark weckt auch heute noch bei vielen Deutschen nostalgische Erinnerungen. Sie wird gemeinhin mit den Begriffen Wirtschaftswunder, Währungsstabilität und Wohlstand assoziiert. Der Abschied von ihr fiel vielen Deutschen nicht leicht und manche denken auch heute noch wehmütig an die „gute alte Zeit“ der D-Mark zurück. Mit dem Euro werden dagegen Preissteigerungen assoziiert, mancher spricht heute noch von den vermeintlich besseren „D-Mark-Zeiten“. Dieser Eindruck trügt jedoch und lässt sich statistisch nicht belegen. Preissteigerungen seit der Jahrtausendwende haben andere Zusammenhänge, beispielsweise steigende Rohstoffpreise und die Entwicklung des Immobilienmarktes. Tatsächlich weisen Ökonomen darauf hin, dass der langfristige Anstieg der Verbraucherpreise unter dem Euro nicht höher ausfielen als zuletzt unter der D-Mark. Zudem zog die deutsche Wirtschaft Vorteile aus der Abwertung der Währung und der Wechselkursangleichung mit dem restlichen Euroraum, welche sich mit dem Wechsel von der D-Mark zum Euro zwangsläufig vollzogen. Deutsche Exporte wurden hierdurch deutlich erleichtert. Der Abschied von der D-Mark, so schmerzlich er zunächst erschien, verbesserte somit sogar das wirtschaftliche Wachstum in Deutschland, da er die Wettbewerbschancen erhöhte.

Die D-Mark hat nach dem Zweiten Weltkrieg den Wiedereintritt Deutschlands in die Weltwirtschaft ermöglicht, die ökonomischen Folgen des Krieges beseitigt und dazu beigetragen, wieder eine leistungsstarke Volkswirtschaft zu schaffen. Sie hat ausserdem durch das Versprechen eines besseren Lebensstandards einen wesentlichen Impuls für die deutsche Wiedervereinigung geleistet. In den 90er Jahren haben unter der zunehmenden Stärke der D-Mark die Exporte gelitten, welche einen wesentlichen Anteil am deutschen Volkswohlstand haben. Wie für viele Dinge gilt darum auch für die Deutsche Mark das englische Sprichwort „Everything has its Place and Time!“

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