Die Blockchain-Technologie ist eine der bahnbrechendsten Entwicklungen der letzten Dekade. Allerdings handelt es sich noch immer um eine Technologie in den Kinderschuhen mit den dazugehörigen Problemen. Eines davon ist der Umstand, dass Blockchains in der Regel in sich geschlossene Systeme darstellen, die von sich aus keine Informationen von aussen beziehen können. ChainLink will dieses Problem lösen. ChainLink ist ein dezentraler Oracle-Service aufgebaut auf der Basis einer Blockchain. Ursprünglich befand sich dieses Projekt auf dem Ethereum-Netzwerk, besass also keine eigene Blockchain und war nur mit Ethereum verbunden. Später wurde aus ChainLink ein Blockchain-agnostischer Dienst, der sich theoretisch mit jedem anderen System verbinden lässt.

Welches Problem will ChainLink lösen?

Für manche ist nicht Bitcoin und sein dezentrales Zahlungsnetzwerk die grösste Innovation der Kryptowährungen, sondern Ethereum und seine Smart Contracts. Die „Intelligenten Verträge“ sind im Grunde Programme, die Vertragsbedingungen selbstständig überprüfen und ihre Inhalte von selbst ausführen. Vorgänge lassen sich damit leicht automatisieren, beschleunigen und günstiger gestalten. Ausserdem haben sie den Vorteil, genauso zu agieren, wie sie programmiert wurden, sie gelten also als manipulationssicher und neutral.

Natürlich gibt es auch Nachteile und dazu gehört, dass Blockchains in der Regel in sich geschlossene System sind und nicht von sich aus auf Informationen von aussen zugreifen können. Ein Smart Contract für Sportwetten zum Beispiel kann von selbst nicht das Ergebnis eines Spiels wissen. Nicht nur benötigt es das Ergebnis, der Smart Contract muss sich auch darauf verlassen können, dass die Informationen richtig sind und aus einer vertrauenswürdigen Quelle stammen.

Hier kommen Oracle-Dienste wie jener von Band oder ChainLink ins Spiel. Entscheidend dabei ist nicht nur, Ethereum und andere Smart Contract Plattformen mit Informationen zu bedienen, sondern auch ein System aufzubauen, das sicherstellt, dass diese Informationen verlässlich sind.

Wie funktioniert ChainLink?

Das Netzwerk von ChainLink besteht aus verschiedenen Nodes. Jeder Node ist auch ein Informationslieferant, der Daten aus externen Quellen bereitstellt. Dezentrale Applikationen (dApps) senden eine Anfrage an das Netzwerk, wenn sie Informationen abfragen wollen, und verbinden sich über einer API mit diesen Nodes und greifen bei Bedarf auf die Informationen zurück.

Das Netzwerk verarbeitet schliesslich die Anfrage mit dem Ziel, die dApps mit den passenden Oracle Datenbank zu verbinden. Dabei sind drei „Contracts“ entscheidend: Der „Reputation Contract“, der „Order-Matching Contract“ und der „Aggregating Contract“.

Reputation Contract ist eine Funktion, welche die Verlässlichkeit und Vertrauenswürdigkeit überprüft. Wer in der Vergangenheit falsche, ungenaue, veraltete oder allgemein nicht korrekte Daten geliefert hat, wird abgestraft. Damit sollen Manipulationsversuche unterbunden werden.

Order-Matching Contract sammelt die Angebote der Oracle-Nodes, welche als Informationslieferanten in Frage kommen, und speichert sie auf der Blockchain ab. Nodes können selber ihre Preise bestimmen.

Bei der Verarbeitungsstufe von Aggregating Contract werden die Daten der gewählten Oracles gesammelt. Sollten diese sich unterscheiden, so versucht das System das akkurateste Ergebnis zu ermitteln.

Die richtigen Oracles werden in drei Stufen gefunden. Zunächst kommt die Auswahl. Anbieter von dApps gehen eine Vereinbarung ein, genannt „Service Level Agreement“ (SLA). In diesen ist festgehalten, an welcher Art von Daten der Anbieter interessiert ist. Anhand dieser Vereinbarung werden die passenden Informationen ausgewählt. In diesen Vereinbarungen lassen sich auch Vertragsstrafen festhalten, sollten die Nodes nicht die richtigen Daten bereitstellen. Das Match-Making kann entweder manuell oder automatisch ausgeführt werden.

Schritt 2 besteht in der Bereitstellung der Daten durch die Nodes. Anschliessend werden im Schritt 3 die Daten gesammelt und ein Mittelwert ermittelt, sollten die Daten voneinander abweichen. Manche Daten werden, wenn sie dem Gesamtbild zu stark widersprechen, nicht miteinbezogen.

ChainLink unterscheidet sich von anderen Oracle-Services dahingehend, dass die Daten nicht zentral bereitgestellt werden. Normalerweise ist es der Oracle-Service, der für Informationen zuständig ist. Man muss dem Anbieter vertrauen können, sonst fällt das ganze System in sich zusammen. In diesem Falle sind es allerdings das dezentrale Netzwerk aus den vielen Nodes, die ihre Daten bereitstellen. Das Reputationssystem sorgt dafür, dass schädliche Akteure mit der Zeit aus dem Netzwerk verbannt werden. Die Vertrauenswürdigkeit und Historie der einzelnen Datenlieferanten werden im Netzwerk transparent aufgezeichnet. Jeder kann einsehen, wie lange die Oracles für eine Antwort brauchen, welche Sicherheiten sie durchschnittlich verwahrt haben, welche Daten sie anbieten und weitere optionale Informationen wie Drittanbieter-Zertifikate, Identität der Node-Besitzer, geographischer Standort etc.

Der LINK Token

Die Kryptowährung von Chainlink ist unter LINK bekannt und dient einerseits als Zahlungsmittel im Netzwerk. Ursprünglich handelte es sich um einen ERC20-Token auf der Basis von Ethereum. Es gibt eine Maximalversorgung von 1’000’000’000 LINK, die bereits alle geschaffen wurden. Es ist nicht geplant, in Zukunft weiter Tokens zu emittieren.

Anbieter von dApps bezahlen Node-Besitzer mit LINK dafür, die Informationen für ihre Smart Contracts bereitzustellen. Die Preise hängen von den Node-Besitzern ab, von der Marktsituation und von der Nachfrage nach den Daten. Ausserdem müssen Nodes eine gewisse Menge an LINK staken, um ihre Dienste anbieten zu können.

LINK Staking

Nicht jeder kann den LINK Token staken. Nutzer müssen eine Node in Betrieb nehmen und einen Oracle-Service anbieten, um einen Stake hinterlegen zu können. Im Gegensatz zu manchen anderen Tokens, die sich in einer Wallet hinterlegen lassen und anschliessend passiv mehr Token ausschütten, ist das bei ChainLink nur als Teilnehmer des Netzwerkes und als Informationsanbieter möglich. Die einzige Alternative sind Stake-Pools, bei dem mehrere Nutzer ihre LINK sammeln und einem Node-Betreiber zur Verfügung stellen.

Hinter dem ChainLink steht das Startup „SmartContract“. Das Unternehmen wurde 2014 von Sergey Nazarov, Steve Ellis und Ari Juels gegründet. Sergey Nazarov ist der CEO des Unternehmens und gründete zuvor die Secure Asset Exchange, eine Börse für Kryptowährungen, sowie einen dezentralen E-Mail-Service genannt CryptoMail. CTO Steve Ellis arbeitete zuvor mit Sergey Nazarov an der Secure Asset Exchange. Beide sind Softwareentwickler. Ari Juels schrieb das White Paper von ChainLink. Bei ihm handelt es sich um einen Professor für Computerwissenschaften an der Cornell Tech und Direkter des Internet Crime Complaint Centers (IC3). Unterstützt wurde das Startup von der von der Data Collective Gruppe.

LINK ICO und Kontroversen

Im September 2017 bot das Startup seinen LINK Token in einem ICO an. Damals wurden 35 % der verfügbaren Menge zum Verkauf bereitgestellt. Insgesamt konnten dabei 32 Millionen US-Dollar eingenommen werden.

Zwar war der ICO an sich ein Erfolg, doch daraufhin kam es zu einigen Pannen und Kontroversen, die schnell jeglichen Hype um ChainLink zunichtemachten. Es half nicht, dass bei einem ICO Presale die Mindestsumme bei 100 ETH lag. Einige Investoren, die sich über Online-Communities koordinierten, mussten dafür ihr Geld zusammenlegen. Damals notierte ein Ether bei 300 US-Dollar. Gleichzeitig wurde die Kryptowährung nicht sonderlich stark beworben. Neben einigen wenigen Internetcommunities wie 4chan’s /biz/-Forum hielt sich der Hype in Grenzen. Nach dem ICO stieg der Kurs von ChainLink nicht wie erhofft an. Der Hype flaute schnell ab und es gab Stimmen, die von einem Scam sprachen. Manche Investoren beschwerten sich, dass LINK Tokens nicht korrekt ausgezahlt wurden.

Alledem zum Trotz konnte das Projekt einige wichtige Partnerschaften eingehen. Dazu gehören SWIFT (Society for Worldwide Interbank Financiel Telecommunication), mit dessen Unterstützung SmartContract ein besonderes Proof-of-Concept entwickelt hat, welches wiederum Daten von Finanzinstituten verarbeitet. Weiterhin gibt es Partnerschaften mit Zellein os, Request Network und Signal Capital. Im Juni 2020 erklärte das World Economic Forum (WEF) ChainLink zu eines seiner Technology Pioneers. Im Januar 2021 schloss sich das Projekt der UNESCO an. Die Aufgabe von ChainLink besteht bei dieser Kampagne darin, die Vorzüge von Smart Contracts bekannter zu machen.

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